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27.08.2014 | EnBW erhöht Druck auf Kohleproduzenten

Immer wieder gibt es Vorwürfe über schlechte Arbeitsbedingungen, Umweltschäden bis hin zu Menschenrechtsverletzungen bei der Kohleproduktion. Die EnBW hat deshalb neue Verhaltensgrundsätze verabschiedet.

Die EnBW importiert fast 7 Mio. Tonnen Steinkohle pro Jahr und zählt damit zu den großen Kohleverbrauchern in Deutschland. Ein großer Teil, rund 2,34 Millionen Tonnen, kommt dabei aus dem Förderland Kolumbien, das immer wieder aufgrund von Vorwürfen zu schlechten Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen im Umfeld der Minen im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Um die Geschäftspartner in den Förderländern noch besser kontrollieren zu können, hat die EnBW neue Verhaltensgrundsätze für eine nachhaltige Steinkohlebeschaffung verabschiedet. Wie genau diese angewendet werden, haben wir beim Konzernexperten Nachhaltigkeit Lothar Rieth und Dirk Keller, Projektleiter im Handelsbereich, nachgefragt:

Welche Maßnahmen ergreift die EnBW für eine verantwortliche Kohlebeschaffung?
Rieth: Wir stehen in einem regelmäßigen Austausch mit den Produzenten vor Ort. Durch einen offenen Dialog mit den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen suchen wir nach Lösungen, um die gesamte Wertschöpfungskette nachhaltiger zu gestalten. Die in der Öffentlichkeit geäußerte Kritik an Abbaubedingungen geben wir an unsere Lieferanten mit der Bitte um Stellungnahme weiter. Unser Nachhaltigkeitsregister für Steinkohleproduzenten bauen wir kontinuierlich aus. In dieser Datenbank werden Steinkohlelieferanten der EnBW hinsichtlich der Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards in den Kategorien Unternehmenspolitik, Mitarbeiter, Umfeld und Anwohner, Umwelt und rechtliche Informationen überprüft. Eine Aktualisierung des Nachhaltigkeitsregisters erfolgt regelmäßig oder bei akuten Vorwürfen. Das von der EnBW im Frühjahr 2013 eingerichtete Corporate Social Responsibility (CSR) Committee für nachhaltige Rohstoffbeschaffung nutzt die Informationen des Nachhaltigkeitsregisters für die Bewertung von Geschäftspartnern und für die Ableitung von Handlungsempfehlungen. Bei systematischen Menschenrechtsverletzungen oder sonstigen gravierenden nachgewiesenen Fehlverhalten behalten wir uns den Ausschluss eines Kohleproduzenten oder Förderlandes vor.

Eine weitere wichtige Maßnahme wurde im Juli vom Vorstand der EnBW verabschiedet: Ab sofort gelten die neuen Verhaltensgrundsätze für die Steinkohle-Beschaffung. Diese Grundsätze dienen unseren Stakeholdern als Orientierung, welche Position und Maßnahmen die EnBW zu diesem Themenkomplex einnimmt.

Warum beschafft die EnBW weiterhin ihre Steinkohle aus Förderländern wie Kolumbien, in denen der Bergbau unter schwierigen sozialen und politischen Rahmenbedingungen stattfindet? Wäre es nicht am einfachsten, Förderländer, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, gänzlich von der Lieferantenliste der EnBW zu streichen?
Rieth: Zunächst sieht das natürlich nach der besten und einfachsten Lösung aus, jedoch verändert sich vor Ort nur etwas, wenn die Produzenten mit ihren Stakeholdern kontinuierlich an der Verbesserung der Verhältnisse vor Ort arbeiten. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass die Kohlegewinnung in den Förderländern einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und damit auch zur politischen Stabilisierung des Landes leistet. Bei Gesprächen mit zahlreichen nichtstaatlichen Akteuren in Kolumbien, wurden wir ausdrücklich zu einer Fortsetzung des Kohlebezugs aufgefordert. Von lokalen Gewerkschaftsvertretern und Umweltverbänden wurden Forderungen und Verbesserungsvorschläge gegenüber einzelnen Minenbetreibern formuliert, ein Boykott einzelner Minenbetreiber aber ausdrücklich abgelehnt.

Keller: Aus Sicht des Handels sehen wir es kritisch, wenn komplette Förderländer als Lieferant ausfallen sollten. Schon heute wird der internationale Kohlehandel von wenigen Lieferanten aus einer überschaubaren Zahl an Förderländern dominiert. Im Falle Deutschlands stammen zwei Drittel der Importe an Kraftwerkskohle aus Russland und Kolumbien. Der Ausfall eines Förderlandes würde die Abhängigkeit von den verbleibenden Förderländern weiter erhöhen.

Sie waren im März dieses Jahres mit einer Delegation in Kolumbien in zwei Abbaugebieten, in La Guajira und Cesar, um sich über die Verhältnisse und Umstände aus erster Hand zu informieren. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?
Keller: Ich war bei meinen Besuchen vor Ort jedes Mal beeindruckt von den Dimensionen und der bergmännischen Professionalität im Steinkohle-Tagebau. Unter technisch-kommerziellen Gesichtspunkten haben wir keine Zweifel, dass wir es in Kolumbien mit zuverlässigen Geschäftspartnern 

Econsense

Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V.

econsense ist ein Zusammenschluss führender global agierender Unternehmen und Organisationen der deutschen Wirtschaft zu den Themen nachhaltige Entwicklung und Corporate Social Responsibility (CSR). Das Unternehmensnetzwerk wurde im Jahr 2000 auf Initiative des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI) gegründet und versteht sich als Dialogplattform und Think Tank. Das Ziel von econsense ist es, nachhaltige Entwicklung in der Wirtschaft voranzubringen und gemeinsam gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

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