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Unternehmen stehen in der globalen Wirtschaft und Wissensgesellschaft vor neuen Herausforderungen in der Kommunikation. Politik, Anteilseigner und Finanzmärkte, Kunden und Geschäftspartner, Mitarbeiter, Nichtregierungsorganisationen und andere Stakeholder erwarten besonders von multinationalen Unternehmen, dass sie über die klassischen Geschäftsberichte und finanzielle Berichterstattung hinaus darüber Rechenschaft ablegen, wie sie ihre Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft wahrnehmen.
Internationale Vereinbarungen und Zusammenschlüsse sowie Standardisierungsinitiativen wie die Global Reporting Initiative (GRI) oder der AA1000 Assurance Standard forcieren diese Entwicklung. Während Unternehmen bereits in den 1980er-Jahren die ersten Umweltberichte vorlegten, werden seit Anfang der 90er-Jahre auch soziale bzw. gesellschaftliche Fragestellungen integriert (wobei reine Personal- und Sozialberichte eine Entwicklung vor allem im deutschsprachigen Raum sind). Seit Ende der 90er-Jahre geht der Trend in der Berichterstattung klar zum Nachhaltigkeitsbericht (auch: Sustainability-Bericht, Corporate-Social-Responsibility-Bericht, Corporate-Responsibility-Bericht etc.), der gemäß dem Triple-Bottom-Line-Ansatz die ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Dimension der Wertschöpfung berücksichtigt. In der letzten Zeit lässt sich als ein weiterer Schritt in der Entwicklung beobachten, dass einige Unternehmen dazu übergehen, ihre Corporate-Responsibility-Informationen in die regulären Geschäftsberichte zu integrieren. Liegt die Zukunft darin, dass Geschäftsberichte und Nachhaltigkeitsberichte zusammenfließen - sprich die Geschäftsberichte ein Unternehmen ganzheitlicher abbilden als bislang?
Insgesamt gilt heute: Für große Unternehmen sind CSR- oder Nachhaltigkeitsberichte auf dem Weg, ein Standardinstrument zu werden. Verglichen mit der weltweiten Zahl an Unternehmen ist die Zahl derer, die berichten, immer noch klein.
Datenerhebung und Aufarbeitung der Informationen für einen Nachhaltigkeitsbericht stellen für Unternehmen eine große Herausforderung und einen Lernprozess dar. Ein guter Bericht setzt ein gutes Management voraus. Andersherum hat der Prozess der Berichterstellung auch positive Effekte für die Optimierung der Geschäftsabläufe: für Corporate Governance und Reputation des Unternehmens, für Prozess- und Produkteffizienz, Qualitätssicherung, Innovationsfähigkeit, Stakeholder-Beziehungen - letztlich also für den Geschäftserfolg. Mit einem Bericht legt ein Unternehmen nicht nur anderen, sondern auch sich selbst Rechenschaft ab.
Wir haben es mit einer noch jungen und hoch dynamischen Entwicklung zu tun, die von vielen Akteuren mit ihren Interessen angetrieben wird. Zu den Fragen und Herausforderungen, die die Diskussion bestimmen, gehören:
Freiwillige vs. verpflichtende Berichterstattung Nachhaltigkeitsberichterstattung als solche ist heute im Großen und Ganzen der freiwilligen Entscheidung der Unternehmen überlassen - sie ist mehr oder weniger frei von gesetzlicher Regulierung. In einigen Ländern gibt es partielle Berichtspflichten, u. a. in Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und einigen skandinavischen Ländern. Insgesamt steigt die Sensibilität der Gesetzgeber. Auch für Deutschland gelten, als Anpassung des nationalen Bilanzrechtes an diverse EU-Rechtsakte, Neuigkeiten in der Rechnungslegung von Unternehmen: Am 10. Dezember 2004 ist das Gesetz zur Einführung internationaler Rechnungslegungsstandards und zur Sicherung der Qualität der Abschlussprüfung (Bilanzrechtsreformgesetz - BilReG) in Kraft getreten. Große Kapitalgesellschaften i. S. des § 267 Abs. 3 HGB müssen nun auch zu den wesentlichen nicht-finanziellen Leistungsindikatoren aus dem Bereich Umwelt- und Arbeitnehmerbelange Angaben machen, sofern diese für die Einschätzung des Geschäftsverlaufs von Bedeutung sind.
Standardisierung: Individualität vs. Vergleichbarkeit Wie viel Einheitlichkeit muss sein? Es gibt ein Spannungsgefüge zwischen den Erfordernissen der Flexibilität und der Vergleichbarkeit. Die Zugänge von Unternehmen zur CSR-Berichterstattung sind vielfältig und individuell, wie es ihre Aktivitäten selbst sind. Von verschiedener Seite wird jedoch im Sinne einer besseren Vergleichbarkeit (zwischen Unternehmen, innerhalb von Branchen) und Transparenz eine Vereinheitlichung gefordert. Dies reicht von der Empfehlung zu mehr Standardisierung (z. B. von Akteuren des Finanzmarktes wie Wirtschafsprüfern und Analysten) bis hin zur Forderung weitgehener Regulierung.
Durch selbstverantwortete Festlegung der inhaltlichen Schwerpunkte und Gestaltung der Berichte können Unternehmen ihren spezifischen Bedürfnissen - dazu zählen Bedürfnisse der Zielgruppen, Branchenbesonderheiten, Ziele - Rechnung tragen. Sie selbst können das Verhältnis von Aufwand und Nutzen steuern. econsense begrüßt eine freiwillige, selbstverantwortete und nicht regulierte Berichterstattung. Dabei sehen wir es als förderlich und Teil des normalen Entwicklungsprozesses an, wenn sich im Wettbewerb Good Practices, Benchmarks und Standards herausbilden. Eine wichtige Rolle spielt hier die Global Reporting Initiative (GRI), innerhalb derer alle interessierten Unternehmen und Stakeholder an Reporting-Guidelines arbeiten.
"Wesentlichkeit" von Informationen und Interessen verschiedener Zielgruppen Welche Informationen und Kennzahlen (Key Performance Indicators) sind für die Bewertung eines Unternehmens relevant, unverzichtbar, aussagekräftig? Auch über die Frage finden intensive Debatten statt. Während die konventionelle Finanzberichterstattung auf eine rund 100-jährige Geschichte zurückblickt, steht hier die Entwicklung insgesamt erst am Anfang. Unternehmen müssen die Interessen vieler verschiedener Anspruchsgruppen - vom ertragsorientierten Investor bis zur Umwelt-NGO - bedienen, die sich nicht immer miteinander in Einklang bringen lassen. Welche Informationen wesentlich sind, hängt gerade im Bereich von Nachhaltigkeit und CSR stark von normativen Urteilen ab. Die Finanzwelt drängt im Interesse von Analysten, Anlegern und Aktionären vor allem darauf, den "Business Case" herauszuarbeiten, d. h. deutlich zu machen, welche wirtschaftlichen Motive das soziale und ökologische Engagement antreiben.
Messbarkeit Anders als in der Finanzberichterstattung fließen in Nachhaltigkeits- oder CSR-Berichte viele qualitative Informationen ein. Es geht um Größen, die sich nur begrenzt objektiv messen lassen. Dies gilt vor allem im sozialen Bereich. Gleichzeitig brauchen Unternehmen für ihre Steuerung handfeste Zahlen. Daher ist das Interesse groß, methodische Fortschritte zu erzielen, um das Engagement in vielen Nachhaltigkeitsthemen besser in die betriebswirtschaftliche Logik einzubinden.
Berichterstattung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Schon für große, internationale Unternehmen stellt die die CSR-/Nachhaltigkeits-berichterstattung häufig einen Kraftakt dar. Mit einem punktuellen Engagement ist es nicht getan, vielmehr geht es um dauerhafte Veränderungen im Management, die zumindest am Anfang spürbar Ressourcen binden. Für kleine und mittlere Unternehmen ist dieses häufig nicht leistbar. Daher wird auf vielen Ebenen diskutiert, wo die Zukunft der CSR-Berichterstattung für KMU liegen kann.
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